Monatsarchiv: August 2008

Michael Jackson wird 50

Das größte Idol meiner frühen Jugend wird heute ein halbes Jahrhundert alt. Zu meinem 13. Geburtstag schenkte mir meine Oma die CD „Dangerous“ von Michael Jackson, und damit war es um mich geschehen: Ein ganze Jahr drehte sich in meinem Leben alles um den King of Pop. Mein Kinderzimmer wurde Stück für Stück mit Bravo-Postern von Michael Jackson tapeziert; sogar lebensgroße Starschnitte habe ich in mühsamer Kleinarbeit gesammelt und zusammengebastelt. Ich fands super gemütlich und gleichzeit praktisch, denn die vielen Bilder des düstergekleideten Michaels hielten auch meinen kleinen Bruder davon ab, mein Zimmer zu betreten: „Mama, ich will nicht in das Zimmer zu dem Mann mit dem schwarzen Mantel, der Mann soll nach Hause gehen!“

Aber es blieb nicht bei den Postern und nicht beim Schwärmen für den großen Michael, auch seine Brüder wurden als „Jackson 5“ in mein Herz geschlossen. Mehr CDs mussten her und auch sonst alles, was nur im entferntesten mit „meinem Jacko“ in Verbindung stand: Bücher, Videos, Zeitungsausschnitte und und und. Nach und nach verwandelte sich mein gerade noch niedliches Mädchenzimmer mit rosafarbenen Wänden und Blümchengardinen, sehr zum Leidwesen meiner armen Mutter, in einen waschechten Jackson-Shrine. Besonders zu leiden hatte die vor allem unter meiner Liebe zu den Songs von „The Jackson 5“: Waren meine Eltern sichtlich froh, endlich den Zeiten, in denen Kinderlieder gesungen von Kinderchören, durchs Haus schallten, entkommen zu sein, waren es nun die Kinderstimmen von den kleinen Jacksons, die unser Haus erfüllten.

Am schlimmsten waren aber wohl die modischen Begleiterscheinungen meines Michael Jackson-Fandaseins: Ich bestand von nun an darauf, in schwarzen Moccasins mit weißen Strümpfen und hoch über den Knöcheln endenden Hosen rumzulaufen (sah aus, als hätten wir Hochwasser im Keller), was meine noch nicht ganz von Babyspeck befreite Figur nicht gerade vorteilhaft betonte. Am liebsten hätte ich mir wohl auch noch einen Body ÜBER die Hose gezogen, aber soweit reichte die Tolleranz meiner Mutter dann doch nicht – das vollständige Michael-Outfit, inklusive schwarzgefärbter Haare und umklebter Fingerspitzen, konnte ich daher auch nur ein einziges Mal zu Karneval in aller Öffentlichkeit tragen.

Exakt ein Jahr später, an meinem 14. Geburtstag, endete meine erste große Schwärmerei genauso abruppt wie sie angefangen hatte. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was der Auslöser für dieses plötzliche „Entlieben“ war – ich fühlte mich wohl einfach zu alt für sowas – aber ich nahm noch am selben Tag alle Poster von meinen Wänden ab und mottete CDs und sonstige Memorabilia ein – Michael Jackson war für mich Geschichte. Heute, über 15 Jahre später, kann ich meine damalige Jacko-Hysterie nicht mehr verstehen, aber ich bin Michael Jackson bis heute dankbar, hat er doch meine musikalische Kindheit beendet und die Tür zur „Erwachsenen-Musik“ für mich geöffnet.

Danke, Michael und HAPPY BIRTHDAY!

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Kulturschock?!?

Und immer wieder die gleiche Frage: „Na, hast du nicht einen Kulturschock? Ist doch alles so ganz anders hier …“ Hört man sich die Fragen mancher Leute an, könnte man fast glauben, ich sei plötzlich erstmals an einen der exotischten Orte unseres Planeten gebeamt worden. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Ich bin auf Heimaturlaub in unserem kleinen beschaulichen Städtchen mitten in Niedersachen.

Seit dreieinhalb Jahren geht das nun schon so. Jedes Mal wenn ich aus Taipei nach Hause komme, werde ich von allen Seiten gefragt, wie es denn nun sei, hier, in Deutschland, auf dem platten Land. Ob ich mit dem Leben hier überhaupt noch klar käme und überhaupt, wie ich mich denn so fühle, so weit weg von meiner neuen Heimat.

Was soll ich dazu sagen?

Ja, das Leben in Taipei ist ganz anders als das in der niedersächsischen Provinz. Die Sommer sind länger und heißer, die Menschen wärmer und herzlicher, das Essen ist vielfältiger und exotischer. Andererseits ist die Luft schlechter, der Verkehr chaotischer und das Brot schmeckt eher wie Kuchen als wie Brot.

Aber: Nein, ich bin in der Provinz aufgewachsen! Ich kenne den Deutschen Sommer (genau wie Frühling, Herbst und Winter), die rauhe Art der Niedersachen („sturmfest und erdverwachsen“) und ich weiß, dass die Bürgersteige auf dem Land um sechs Uhr abends hochgeklappt werden. Außerdem genieße ich, wenn ich mal zu Besuch bin, die frische Landluft, die leeren Straßen und das knusprige Brot.

Kurz gesagt: Ja, ich komme noch klar mit dem Leben, ich habe keine Verständigungsprobleme und es ist mir auch nichts ungewohnt hier. Ich bin hier aufgewachsen und daran ändern auch 3,5 Jahre im Ausland nichts.

Nein, ich habe keinen Kulturschock!!!

(Den einzigen Schock, den ich habe, ist der Kälteschock, wenn ich in Frankfurt aus dem Flugzeug steige ;o)

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Herzlich Willkommen!

Das WWW ist voller Blogs, höchst lesenswert oder langweilig, fleißig geführt oder verwahrlost, und ich stöbere gerne darin. Ich lese gern über das Leben, die Erfahrungen und die Meinungen anderer und genauso gerne schreibe ich selber – deshalb war klar: Ein eigener Blog muss her und hier isser nun!

 

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