Sonntagnachmittag auf der Marswiese: Not vs. Elend

Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, den vergangenen Sonntagnachmittag zu verbringen. Eine davon, die, zugegebenermaßen eher von einer kleinen Minderheit gewählt wurde, war das Anschauen des „Wirtshausliga“-Spiels Not (rot) vs. Elend (blau).

An diesem herbstlich kalten Novembertag saß ein kleines Besuchergrüppen – Rot konnte immerhin 5 Zuschauer anziehen, Blau nur 2 1/4 – am Rande eines Sportplatzes am Popsch der Welt auf der Marswiese und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Für Blau begann der Kampf um den Sieg eigentlich schon vor der 1. Halbzeit: Wild telefoniert der Kapitän der Mannschaft, um wenigsten die Mindestzahl an Spielern vom gemütlich warmen Bett auf den windig kalten Fußballplatz zu befördern. Erfolgreich. Um punkt 14 Uhr beginnt ein spannendes Spiel zwischen Rot und Blau (Rot steht steht sogar ein Ersatzspieler zu Verfügung).

Es folgt das übliche Prozedere: Auflaufen aufs Spielfeld, Versammlung um den (schon etwas in die Jahre gekommenen) Schieri, Begrüßung der Zuschauer und dann versammelt sich Rot erstmal im Kreis und stößt lautes Kampfgeschrei aus (um sich selbst Mut zuzusprechen?), bevor sich die Mannschaft dann, etwas ungeordnet, in der eigenen Spielhälfte verteilt. Blau wählt die kürzer Variante und wuselt sofort und ohne Geschrei auf die andere Spielhälfte. Anpfiff und los gehts!

Schon nach wenigen Minuten wird auch dem Laien klar, beide Mannschaften haben das gleiche Problem: zu wenige echte Fußballer und zu viele Spieler mit latenter Ballangst auf dem Platz. Trotzdem fällt schon in der 9. Minute das erste Tor für Blau – JUUUUUBEL auf der kleinen Zuschauertribüne. Wirklich schön gespielt!

Es sollen noch drei weitere Tore folgen (zwei für Rot, eins für Blau), bis der Schieri nach 45 Minuten und Gleichstand die 1. Halbzeit für beendet erklärt. Pause. Beide Mannschaften schlufen vom  Spielfeld. Schnell werden die bereitgelegten Jacken übergestreift und wie sie da so schlotternd herumstehen, wird ihnen klar, was die Zuschauer schon lange wissen: Es ist eiskalt und windig an diesem Tag … vor allem, wenn man 90 Minuten still am Spielfeldrand sitzt. Blau macht zudem eine zweite Entdeckung: Sie haben die vergangenen 45 Minuten mit ZWEI Kapitänen gespielt.

Nach fünf Minuten hat der Schieri mit den mittlerweile fast erfrorenen Spielern erbarmen und pfeift die zweite Halbzeit an. Jetzt geht es – ohne Kampfgeschrei – in umgekehrter Spielrichtung in die zweite Hälfte. Wieder bestätigt sich der Eindruck: Dieses Spiel braucht mehr Fußballer! Der wirre Kick über die nächsten 45 Minuten, der nur durch einen Wechsel bei den Roten unterbrochen wird,  ist zwar nicht spielerisch hochwertig, dafür aber torgeladen. Es fallen insgesamt und gerecht verteilt vier weitere Tore. Schlusspfiff.

Das Spiel ist vorbei. Endstand 4:4. Beide Mannschaften verziehen sich enttäuscht in die Kabine und denken sich: Dieses Spiel hätte man unbedingt gewinnen müssen – eine Katastrophe!

Der Fußballlaie betrachtet das Ganze selbstverständlich aus einer etwas anderen Perspektive: Es sind viele Tore gefallen, das Frieren hat endlich ein Ende  – man kann den Nachmittag also in aller Ruhe bei einem Becher heißem Tee in der Kantine ausklingen lassen – und ganz wichtig, die „Mannschaft der Herzen“ hat nicht verloren!

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