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Schottentor – Der Film

„Die sechs Hauptpersonen des Films treffen oder versäumen sich auf den verschiedenen ober- und unterirdischen Ebenen am SCHOTTENTOR, der größten Straßenbahnhaltestelle Wiens“, so die Synopsis des Films laut offizieller Website.

Und weiter

„Die Beschränkung des Orts auf einen Schauplatz, die U-Bahn-Passage am Schottentor, zeigt die Qualität dieses episodischen Films um sechs leicht entrückte Personen: Ihre Verlorenheit in der Welt verbindet sie wie der Strom ihrer Gedanken, der manchmal als innerer Monolog zu hören ist.“ (Quelle: Falter.at)

Material für einen wirklich großartigen, unterhaltsamen und mitreißenden Film. Schon die erste Szene enthält Charme, Witz und Selbstironie. Sie spielt im dunklen, regennassen Tunnel der Station Schottentor. Dem Zuschauer wird erklärt: „Diese Szene hätte eigentlich am Meer spielen sollen, roter Sonnenuntergang. Aber dafür haben wir kein Budget. Nicht für einen Schauspieler und schon gar nicht für ein ganzes Team.“ Dann schwenkt die Geschichte ins Melodramatische. Sie erzählt von einem Obdachlosen, der in diesem Tunnel gestorben ist. Unbemerkt. Nur die Blumenverkäuferin hat ihn gesehen.

Jetzt sind wir mitten im Film … und die Verwirrung beginnt. Zusammenhangslos wird die Geschichte der sechs Hauptpersonen inszeniert. Neben der Blumenverkäuferin Claudia, die eigentlich Kunststudentin ist, lernen wir noch den autistischen Peter, der jeden Tag Blumen in einer anderen Farbe kauft, den Filmregisseur und seine Assistentin, den einsamen, erfolglosen Unidozenten Simon sowie den Obdachlosen Altmann kennen. Leider wird bis zum Schluss nicht so ganz klar, wie es zu dieser Auswahl kam, was die Personen miteinander verbindet und auch das Hauptthema, das sich treffen und verpassen am Schottentor, rückt im Laufe des Films vollständig in den Hintergrund.

Der Drehort ist klasse – laut Falter „Schottentor … der beste Drehort der Welt … “ , viele Ideen der Filmemacher sind großartig: Besondere Highlights sind die geschickt eingespielten Comics und Zeichnungen. Auch die Tanzszene von Simon und seiner Schottentorbekanntschaft in der U-Bahn-Station, bei der das Konzept des Nichtabsperrens während der Dreharbeiten so herrlich deutlich wird, oder das Internet-Treffen im japanischen Restaurant – beides Szenen, die von exzellenten Gespür für gute Unterhaltung und Humor zeugen.

Trotzdem bleibt am Ende des Films nur der Gedanke: Warum konnten die Macher die teilweise wirklich romantischen, lustigen, sensiblen und gefühlvollen Szenen nicht zu einem 20-minüten Kurzfilm zusammenschneiden? Es wäre sicherlich ein ausgzeichneter Film daraus geworden. Aber so konnte man nach endlosen 123 Minuten Spielzeit nur noch leise seufzen „ENDLICH!“.

Rezension auf IMBD

http://www.imdb.de/title/tt1368142/usercomments-1

Land: A | Jahr: 2009
Genre: Independent, Drama
Laufzeit: 123 min.
Regie: Caspar Pfaundler
Darsteller: Gerti Drassl, David Oberkogler, Claudia Kottal, Hannes Thanheiser u.a.
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