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Gedanken über Abtreibung auf dem U-Bahnhof

Werbung ist ein Spiegel der Gesellschaft und deshalb hat jede Gesellschaft ihre eigene Werbung. Werbung weckt kein neues Verlangen, sondern zeigt vorhandene Bedürfnisse auf und versucht diese entsprechend zu lenken. Anders ausgedrückt, durch die Werbung können wir erkennen, womit sich eine Gesellschaft beschäftigt – Werbung hilft uns, die Menschen einer Gesellschaft kennenzulernen. Aus diesem Grund bin ich von Werbung fasziniert.

Wie schon in Taipei fahre ich auch in Wien täglich U-Bahn und werde deshalb besonders auf die U-Bahn-Werbung aufmerksam. In Wien gibt es an U-Bahnhöfne keine Anti-Selbstmordkampnen, dafür aber Plakate, die nicht weniger nachdenklich stimmen. Es geht um Abtreibung bzw. Schwangerschaftsabbruch. Die gr0ßen Werbeanzeigen verschiedener Organisationen hängen in den meisten U-Bahnstationen und werben entweder für ein Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch oder für Beratungsangebote für ungewollt Schwangere.

Wichtig! Dies ist kein Artikel für oder gegen Schwangersabbrüche, er ist allein aus Neugier darüber entstanden, warum dieses Thema so offensiv an so öffentlichen Orten wie U-Bahnhöfen beworben wird. Es wird versucht, Fragen zu klären, wie: Wer wirbt hier und warum? Welche Rolle spielt Abtreibung in Österreich und wie ist sie gesetzlich geregelt?

Wer wirbt?

1. Gynmed: Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung

Das Gynmed Ambulatorium ist eine von der Landesregierung Wien genehmigte Krankenanstalt nach Wiener Krankenanstaltengesetz und gehört der Wirtschaftskammer Wien an. (Quelle: Gynmed)

2. Der private Verein: Aktion Leben

„Wir sind die Lebensschutzbewegung in Österreich. Seit mehr als 50 Jahren setzen wir uns ein für den umfassenden Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Wir sind unabhängig und überkonfessionell, ein privater Verein, der von vielen tausenden privaten SpenderInnen in ganz Österreich getragen wird.“ (Quelle: Aktion Leben)

3. Der Verein: Es gibt Alternativen

Leider gibt es auf der Website keinerlei Informationen zum Hintergrund des Vereins. Deutlich wird wird nur, dass er sich absolut und mit drastischen Berichten zur Abschreckung gegen Schwangerschaftsabbrüche ausspricht.

Situation in Österreich

Der Abbruch ist in den ersten 3 Monaten legal, wenn er von einem Arzt nach vorheriger Beratung durchgeführt wird. Weitere Restriktionen gibt es nicht. Allerdings müssen Frauen den Abbruch selbst bezahlen. (Quelle: abtreibung.at)

Gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Österreich

Österreich führt als nur eins von drei Ländern Europas, neben Portugal und Luxemburg, keine offizielle Statistik über die Zahl der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die Schätzungen darüber, wie viele Abbrüche pro Jahr vorgenommen werden, gehen weit auseinander und sind häufig weltanschaulich motiviert. Laut „pro:woman“ geben Frauen in Österreich rund 17,5 Millionen Euro pro Jahr für Schwangerschaftsabbrüche aus und obwohl es keine Statistiken gibt, schätzt das Institut die jährlichen Abtreibungen auf 30.000 bis 35.000. Dies entspricht laut DDr. Fiala, Leiter des Ambulatoriums Gynmed, einer Abtreibungsquote von ca. 17-23 Abbrüche auf 1.000. Frauen – Österreich gehört damit zu den Top-Abtreibungsländern (hinter Russland und Rumänien). (Quelle: Abtreibungsland Österreich)

Zum Vergleich: In Deutschland, dessen Einwohnerzahl mit knapp 82 Millionen rund 10x so hoch ist wie in Österreich,  wurden im Jahr 2009 „nur“ rund 114.500 Abtreibungen gezählt, damit liegt die Quote bei 7,6 Abbrüchen auf 1.000 Frauen. (Quelle: RP Online) In Frankreich liegt diese Quote bei 16.2 und in Großbritannien 16.6.  Die Spitze bilden Rumänien mit 51.6 und Russland mit 54.2. Die niedrigste Abtreibungsquote Europas hat die Schweiz mit 5,4 Abtreibungen auf 1.000 Frauen.

Lässt man diese Zahlen einmal auf einen wirken, dürfte einem klar werden, warum in Wien so offensiv um die „Abbruchwilligen“ geworben wird. Da Schwangerschaftsabbrüche eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung sind, sind dies selbstverständlich auch die Gründe, die eine Frau dazu bewegen, ihr Kind nicht auszutragen und weil Österreich, wie bereits erwähnt, keine offizielle Statistik führt, gibt es auch zu den Gründen keine offiziellen Angaben. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Gründe ähnlich gelagert sind wie beispielsweise in Deutschland: mangelnde Aufklärung, psychische oder finanzielle Notlagen, gesundheitliche Gründe etc.

Warum aber ist die Abbruchquote in Österreich soviel höher als in anderen europäischen Ländern? Auf diese Frage habe ich leider keine Antwort gefunden.

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