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Erdbeben und andere wackelige Angelegenheiten

Erdbeben gehören, neben Taifunen, zu den Naturgewalten auf die sich jeder Taiwanbesucher – vor allem jeder Langzeitbesucher – psychisch vorbereiten muss. Doch während Taifune (zumindest in Taipei) kaum für größeren Schrecken sorgen – im Gegenteil: Viele Taiwanesen sehnen einem starken Taiwan und damit einem taifunfreien Tag sogar voller Erwartung entgegen – auch wenn sie dann am freien Tag nichts mit sich anzufangen wissen …

Erdbeben dagegen können im Gegensatz zu Taifunen kaum vorhergesehen werden, ihre Entwicklung kann man weder im Internet noch im Fernsehen beobachten und sich darauf vorbereiten; Erbeben kommen plötzlich, wie aus heiterem Himmel und man kann erst im Moment des Bebens selbst abschätzen, wie stark es wohl werden wird – und genau das macht sie wohl so angsteinflößend.

Ich muss zugeben, ich habe selber zwar noch kein starkes Erdbeben miterlebt – toi, toi, toi – aber auch die vielen kleinen (das stärkste was wohl Stufe 2) haben meinen Bedarf nach mehr längst gestillt. Wir wohnen in Taipei im 12. Stock, und ich spüre daher auch kleinere Beben heftiger als Menschen, die näher am Boden wohnen. Schon bei einem Stärke 1 Erbeben bewegen sich beispielsweise locker in der Küche aufgehängte Utensilien wie Scheren hin und her; Stärke 2 führt noch zusätzlich zu einer leicht quietschenden und knarrenden Geräuschkulisse, die vor allem nachts ganz schön unheimlich sein kann.

Gleichzeitig trifft man immer wieder Leute, die entweder erst sehr kurz in Taiwan sind oder überhaupt noch nie in einem Erdbebengebiet waren, die einem erzählen, wie gern sie doch endlich mal ein richtiges Erdbeben erleben würden. Besonders lustig fand ich beispielsweise einen, zugegebenermaßen noch sehr jungen, Praktikanten in meinem ehemaligen Büro, der die Frage wie er sich denn so ein Erbeben vorstelle ungefähr so beantwortete: „Na ja, ich denk mal, da wird man mal ordentlich durchgeschüttelt … so 30 Minuten lang, schätz ich mal …“ Zum Glück klaffen hier Vorstellung und Realität weit auseinander.

Sicher, ich war auch ziemlich neugierig bevor ich das erste Mal in Taiwan war wie sich so ein Erbeben wohl anfühlen könnte, aber schon nach meinem ersten Mal mitten in der Nacht wußte ich: Davon brauche ich keine weiteren!!! Außerdem bringt die ständige Gefahr eines Erbebens mitsich, dass man beginnt, sich Erdbeben einzubilden. Mir passiert das sogar, wenn ich gar nicht in Taiwan bin und überhaupt keine Erdbebengefahr besteht. Ich sitze dann ganz ruhig auf meinem Sofa oder liege auf dem Bett und bin ganz fest davon überzeugt, dass es gerade bebt. Ich laufe dann sofort zu meinem PC, um nachzusehen, wie stark das Beben nun war, nur um festzustellen, dass die einzige, die mal wieder gebebt hat, ich selber war.

Kurz und gut: Ich hasse Erbeben und das Wohnen im 12. Stock hat nur einen Vorteil: Sollte das 101 bei einem starken Beben tatsächlich doch mal umfallen, von hier aus hätte ich den perfekten Blick für einen CNN i-report.

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