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Die Bundesländertasche

Es gibt sie in allen Größen, Formen und Farben, aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie werden freitags, vorzugsweise vor verlängerten Wochenenden, in viele Büros der österreichischen Hauptstadt geschleppt – die Bundesländertaschen.

Bundesländertaschen

Für jemanden, der nicht sein ganzes Leben in Österreich verbracht hat, ist es ein wundersames Phänomen, das sich vor wohl den meisten Wochenenden des Jahres an vielen Wiener Arbeitsstätten abspielt, wenn sämtliche KollegInnen aus den Bundesländern – und davon gibt es jede Menge – ihre gepackten Taschen mitbringen, um sich nach getaener Arbeit auf dem schnellsten Weg auf in die Heimat zu machen.

Seit ich vor rund fünf Jahren zum Arbeiten wieder nach Wien gezogen bin, ist mir dieses seltsame Treiben an allen Arbeitsplätzen, aber auch im Privatleben aufgefallen – kaum ist das Wochenende eingeläutet, leert sich Wien und die Straßen und Züge nach „außerhalb“ füllen sich. Aber warum?

Wien hat seit Jahrhunderten eine besondere Stellung: Es war als kaiserliche Reichshauptstadt und Residenzstadt der Habsburger sowohl die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches als auch des Kaisertums Österreich und als einer der beiden Hauptstädte Österreich-Ungarns ein kulturelles und politisches Zentrum Europas. Diese Bedeutung verlieh Wien eine unglaubliche Anziehungskraft und machte aus ihm eine Millionenmetropole.

Heute lebt rund ein Viertel der ÖsterreicherInnen in der Bundeshauptstadt, was aus Österreich – demographisch gesehen – einen Staat mit „Wasserkopf“ macht. Unter den anderen acht Landeshauptstädten, knackt nämlich nur Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs, überhaupt die Zweihunderttausender-Marke. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass es auch heute noch viele Menschen aus den Bundesländern nach Wien zieht – sei es zum Studium oder zur Arbeitsaufnahme.

Die Frage, warum so viele Bundeslandler in Wien leben, wäre also geklärt. Aber warum wollen sie so schnell wie möglich wieder weg? Die Antwort ist wahrscheinlich so einfach wie erschütternd: Sie mögen Wien nicht. Während die meisten Wiener etwas arrogant auf die „g’scherten vom Land“ herabblicken, eint den Rest Österreichs die Abneigung gegenüber den Wienern (das dürfte, glaubt man einem Krone Artikel, allerdings auch das einzige sein, was die Menschen der acht übrigen Bundesländer eint).

Es bleibt also nur ernüchtert zu resümieren, dass es schlicht die wirtschaftlichen Zwänge sind – und nicht die kulturellen Möglichkeiten und der historische Charme Wiens -, die die Menschen aus den Bundesländern anlocken. Und so ist das Wien-Abenteuer für einen großen Teil der „Zugezogenen“ auch vorbei, wenn die Familienplanung in die finale Phase eintritt und Kinder erwartet werden. Diese, so die weitläufige Meinung, könne man schließlich auf keinen Fall in der Stadt großziehen. Spätestens dann geht es endgültig zurück in die Heimat und zum letzten Mal wird die Bundesländertasche gepackt …

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Eingeordnet unter Leben in Wien, Persönliches

XO-Noodles

– XO-Noodles ist 2012 in die Ringstrassen-Galerien umgezogen und hat dadurch leider seinen besonderen Charme verloren –

„You mix and match“

Am Wochenende habe ich mal wieder ein kleines, nettes (im Winter vielleicht etwas zugiges), aber vor allem sehr authentisches Stück Asien in Wien entdeckt: Das chinesisch-japanische „XO-Noodles“ ist schlicht und sehr am japanischen Stil angelehnt dekoriert – plüschige Sessel, goldene Deckenverzierung, rote Lampions und lachende Buddhas sucht man hier vergebens – dafür sitzt man im unteren Teil des Lokals auf hohen Holzstühlen an Bistro-Tischen und kann den Köchen direkt bei der Arbeit zusehen. Im ersten Stock gibt es gemütliche Sofas und Sitzecken.

Die  Speisenauswahl ist nicht gerade umfangreich, aber das spricht ja in der Regel eher für als gegen ein Lokal. Im Prinzip muss man nur eine grundlegende Entscheidung treffen: Nudeln ohne Suppe (Wok Gericht) oder Nudeln mit Suppe (Hot Pot). Der Rest ergibt sich dann ganz von allein getreu dem Motto: Mix and Match!

Nachdem man also die grundlegende Entscheidung getroffen ist, sucht man sich die passenden (selbstgemachten!) Nudeln aus, dann wählt man noch die Einlage (Fleisch, Fisch, Tofu, Gemüse) – erwähnenswert ist hier besonders das Steirische Bio Landhuhn und das Kärtner Limousin Rind, welche einen Hauch von Österreich in die asiatische Küche wehen –  und zum Schluss noch die Sauce bzw. die Suppe, je nachdem ob man sich für eine Wok-Gericht oder einen Hot Pot entschieden hat.

Bezahlt wird direkt bei der Bestellung an der Kassa und sobald das eigene Gericht fertig und zur Abholung bereit ist, erscheint die jeweilige Nummer auf den beiden großen Bildschirmen über der Theke – regelmäßigen IKEA-Kunden kommt das Prinzip sofort angenehm bekannt vor …

Ich persönlich liebe Nudeln in jeder Form – egal ob mit oder ohne Suppe – und so ist dieses Lokal für mich ein kleines Stückchen Paradies auf Erden. Mein absoluter Favorit ist ganz klar: XO Wok Gericht mit Ramien, gebratenem Tofu und – ganz wichtig! – der Sauce „XO Hot Asia“. XO Hot Asia hält was sie verspricht und ist wirklich ziemlich scharf. Wer es lieber milder mag, für den sind die tollen Saucen und Suppen namens „Bangkok“ mit Rotem Curry unbedingt zu empfehlen!

XO-NOODLES
Hoher Markt 12, A-1010 Wien
tel +43 (1) 533 83 90
fax +43 (1) 533 83 90-16
www.xo-noodles.com
restaurant@xo-noodles.com
 

Achtung: Reservierungen werden leider nicht entgegen genommen!

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Eingeordnet unter Essen in Wien, Leben in Wien

Schottentor – Der Film

„Die sechs Hauptpersonen des Films treffen oder versäumen sich auf den verschiedenen ober- und unterirdischen Ebenen am SCHOTTENTOR, der größten Straßenbahnhaltestelle Wiens“, so die Synopsis des Films laut offizieller Website.

Und weiter

„Die Beschränkung des Orts auf einen Schauplatz, die U-Bahn-Passage am Schottentor, zeigt die Qualität dieses episodischen Films um sechs leicht entrückte Personen: Ihre Verlorenheit in der Welt verbindet sie wie der Strom ihrer Gedanken, der manchmal als innerer Monolog zu hören ist.“ (Quelle: Falter.at)

Material für einen wirklich großartigen, unterhaltsamen und mitreißenden Film. Schon die erste Szene enthält Charme, Witz und Selbstironie. Sie spielt im dunklen, regennassen Tunnel der Station Schottentor. Dem Zuschauer wird erklärt: „Diese Szene hätte eigentlich am Meer spielen sollen, roter Sonnenuntergang. Aber dafür haben wir kein Budget. Nicht für einen Schauspieler und schon gar nicht für ein ganzes Team.“ Dann schwenkt die Geschichte ins Melodramatische. Sie erzählt von einem Obdachlosen, der in diesem Tunnel gestorben ist. Unbemerkt. Nur die Blumenverkäuferin hat ihn gesehen.

Jetzt sind wir mitten im Film … und die Verwirrung beginnt. Zusammenhangslos wird die Geschichte der sechs Hauptpersonen inszeniert. Neben der Blumenverkäuferin Claudia, die eigentlich Kunststudentin ist, lernen wir noch den autistischen Peter, der jeden Tag Blumen in einer anderen Farbe kauft, den Filmregisseur und seine Assistentin, den einsamen, erfolglosen Unidozenten Simon sowie den Obdachlosen Altmann kennen. Leider wird bis zum Schluss nicht so ganz klar, wie es zu dieser Auswahl kam, was die Personen miteinander verbindet und auch das Hauptthema, das sich treffen und verpassen am Schottentor, rückt im Laufe des Films vollständig in den Hintergrund.

Der Drehort ist klasse – laut Falter „Schottentor … der beste Drehort der Welt … “ , viele Ideen der Filmemacher sind großartig: Besondere Highlights sind die geschickt eingespielten Comics und Zeichnungen. Auch die Tanzszene von Simon und seiner Schottentorbekanntschaft in der U-Bahn-Station, bei der das Konzept des Nichtabsperrens während der Dreharbeiten so herrlich deutlich wird, oder das Internet-Treffen im japanischen Restaurant – beides Szenen, die von exzellenten Gespür für gute Unterhaltung und Humor zeugen.

Trotzdem bleibt am Ende des Films nur der Gedanke: Warum konnten die Macher die teilweise wirklich romantischen, lustigen, sensiblen und gefühlvollen Szenen nicht zu einem 20-minüten Kurzfilm zusammenschneiden? Es wäre sicherlich ein ausgzeichneter Film daraus geworden. Aber so konnte man nach endlosen 123 Minuten Spielzeit nur noch leise seufzen „ENDLICH!“.

Rezension auf IMBD

http://www.imdb.de/title/tt1368142/usercomments-1

Land: A | Jahr: 2009
Genre: Independent, Drama
Laufzeit: 123 min.
Regie: Caspar Pfaundler
Darsteller: Gerti Drassl, David Oberkogler, Claudia Kottal, Hannes Thanheiser u.a.

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Sleeping Dragon is back

In den letzten eineinhalb Jahren hat sich viel verändert. Im Sommer 2009 habe ich nach exakt 4 Jahren und 3 Monaten entschieden, dass ich jetzt lange genug in Taiwan war und bin nach Europa zurückgekehrt. Meine Zeit am anderen Ende der Welt war geprägt von Höhen und Tiefen – ich habe viel gelernt, meinen Horizont erweitert, tolle Leute getroffen und unvergessliche Erfahrungen gemacht.

Die Eingewöhnung in die neue alte Heimat war anstrengend und hat mich vor Herausforderungen gestellt, die ich nie erwartet hätte. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass man sich Zuhause manchmal fremder fühlen kann als in der Fremde und manchmal hätte ich am liebsten meine Koffer gepackt und wär zurück nach Taiwan geflogt.

Aber jetzt – 1 Jahr und 3 Monate später – weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war und bin fest entschlossen, auch in Zukunft wieder meine Erlebnisse, Erkenntnisse und Verwirrungen mit der Welt zu teilen.

Sleeping Dragon@Vienna

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